11 finanzielle Tipps für den Start in die Selbstständigkeit

2 years ago von Thomas Panzeri

Wenn Sie sich den Übergang vom Angestelltenverhältnis in die Selbstständigkeit machen, öffnen Sie die Tore zu vielem Unbekannten.

Als Selbstständiger sind sie nun Chef und Mitarbeiter in einer Person und dort beginnt schon die Herausforderung. Sie müssen sich von nun an selber antreiben und eine hohe Disziplin entwickeln, wie Sie sich erfolgreich selbstständig machen wollen. Weiter müssen Sie mit schwankenden Einkünften auskommen. Dadurch ist viel Geschick und Disziplin im Umgang mit Geld gefordert, denn ab jetzt heisst es: Einnahmen sind nicht gleich Einkommen. Auch haben Sie die Sicherheit als Angestellter einer grossen Unternehmung nicht mehr, sondern nur noch Sie selbst können Ihre Existenz absichern. Leider schaffen viele Selbstständige die Fünf-Jahres-Hürde nicht. Lassen Sie sich aber nicht davon abhalten, Ihren Traum zu verwirklichen.

Es gibt zwar keine Erfolgsgarantie, aber es gibt einige Prinzipien, denen Sie folgen sollten, um die Führung und die Finanzen Ihres Geschäfts im Griff zu haben.

Erstellen Sie einen realistischen Businessplan

Lassen Sie sich nicht zu stark von Gefühlen leiten. Setzten Sie sich konkret mit dem was Sie tun wollen auseinander und erstellen Sie einen konkreten Businessplan.

  • Was ist das Besondere an dem, was Sie tun?
  • Warum sollten Kunden zu Ihnen kommen?
  • Wie sieht Ihr Markt aus, wer tummelt sich bereits in dem „Fischteich“, in dem Sie fischen wollen?
  • Was können Sie anders oder besser, als Ihre Mitbewerber?
  • Wie differenziert sich Ihre Angebots- und Preisstruktur?
  • Warum sollte ein potenzieller Investor ausgerechnet in Ihr Unternehmen investieren?
  • Welches sind Ihre persönlichen Kernkompetenzen?
  • Wie gewährleisten Sie, dass Sie mit dem, was Sie tun wollen, Geld verdienen?
  • Was müssen Sie konkret wie oft tun, damit Sie mit Ihrem Geschäft Geld verdienen?
  • Wie sieht die Entwicklung in Ihrem Angebots-/Marktsegment aus?
  • Wie sieht die Gewinnmarge Ihres Angebots aus?

Sollten Sie keine Antworten auf diese Fragen stellen, bleiben Sie lieber ein Angestellter. Wenn Sie aber konkrete Antworten haben, dann sprechen Sie diese mit einer nahestehenden Person durch. Akzeptieren Sie es, wenn die Person kritische Fragen stellt, denn so sehen Sie mögliche Schwachstellen in Ihrem Konzept.

Begrenzen sie die eingesetzten finanziellen Mittel

Auch wenn sie über genügend Rücklagen verfügen, begrenzen Sie den Kapitaleinsatz Ihrer Selbstständigkeit. Setzten Sie sich ein Limit, ansonsten besteht die Gefahr, dass Sie zu viel Geld ausgeben und in Liquiditätsengpässe kommen können. Viele Unternehmen gehen in Konkurs, nicht wegen fehlender Aufträge, sondern wegen fehlender Liquidität.

Das gleiche gilt, wenn Sie sich Geld von einer Bank, Freunden oder Familienmitglieder leihen. Hier gilt noch: denken Sie daran, dass Sie das geliehene Geld auch wieder zurückzahlen müssen. Zudem gilt, wenn Sie Geld von einer Bank leihen, Sie für die Verbindlichkeiten in die persönliche Haftung genommen werden. Falls dann etwas schiefgeht, steht unter Umständen einiges auf dem Spiel.

Bilden Sie schon früh Rückstellungen für die Geschäftsentwicklung

Nachdem der Start gelungen ist, fliesst das Geld, sogar in grösseren Mengen als Sie es als Angestellter kannten. Lassen Sie sich nicht dazu verleiten, sich extra Belohnungen zu gönnen, eine lang ersehnte Anschaffung zu machen, teure Ferien zu buchen o.ä.

Halten sie das Geld zusammen und lockern Sie den Geldfluss nicht zu früh. Halten Sie die Kosten niedrig und geben sie sich mit kleinen Belohnungen zufrieden. Ihr Geschäft ist noch fragil und schnell kann es zu Widrigkeiten kommen und der Geldfluss wird kleiner oder reisst ab.

Legen Sie überschüssige Gelder zur Seite. Sie werden erst nach einiger Zeit bemerken, wieviel sie konkret benötigen, ob das durch eine besondere Software, eine Weiterbildung oder etwas Anderes ist.

Vermischen Sie Privat und Geschäftsvermögen nicht

Sorgen Sie dafür, dass Ihre Finanzen getrennt sind. Sprechen Sie mit Ihrer Bank über eine geeignete Kontolösung. Zahlen Sie sich Lohn aus, als wären Sie ein Angestellter.

Die Buchhaltung und das Steueramt

Als Arbeitnehmer hatten Sie geringe steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten. Jetzt als Selbstständiger sieht das etwas anders aus. Sprechen Sie rechtzeitig mit Ihrem Treuhänder und richten Sie sich einen passenden Kontenrahmen ein. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Buchhaltung regelmässig und zeitnah geführt wird und Ihre Belege geordnet sind. Dadurch haben Sie immer einen Überblick über Ihre finanziellen Verhältnisse.

Vergessen Sie nicht Rechnungen zu schreiben. Jetzt da Sie selbstständig sind, kommen neue administrative Herausforderungen auf Sie zu. Stellen Sie sicher, dass Sie für Ihre Leistungen zeitnah Rechnungen verschicken und für die rechtzeitige Zahlung sorgen.

Unterscheiden Sie zwischen «nice to have» und «need to have»

Denken Sie beim Schreiben Ihres Businessplans daran, dass Sie sich auch notieren, was Sie unbedingt benötigen, um Ihr Geschäft zum Laufen zu bringen. Überlegen Sie sich, ob gewisse Anschaffungen zwingend und jetzt erforderlich sind.

Stellen Sie zwar sicher, dass Ihr Arbeitsplatz und das Arbeitsmaterial angenehm und funktional sind, aber kaufen Sie nicht zwingend die Luxusaustattung. Lassen Sie sich nicht zu Spontankäufen verleiten und fahren Sie nach einem Gespräch erst nach Hause und schlafen Sie eine Nacht darüber, bevor Sie etwas kaufen.

Halten Sie die laufenden Verpflichtungen klein

Auch wenn wir heute vieles mieten oder in Raten zahlen können, sollten Sie sich nicht zu so etwas verleiten lassen. Jede monatliche Rate ist eine konstante Verpflichtung über einen längeren Zeitraum. Die Summe dieser Verpflichtungen reduziert Ihre Flexibilität und kann u.U. dazu führen, dass Sie scheitern, falls Ihre Einnahmen mal einbrechen sollten.

Wenn Sie Personal einstellen, sprechen Sie ganz offen darüber, dass Sie ein Startup sind. Zeigen Sie, dasss Ihr Personal von einer positiven Entwicklung profitieren wird. Dadurch können Sie das Einstiegsgehalt niedrig halten.

Investieren Sie klug

Nachdem Sie nun erfolgreich waren und hoffentlich Gelder auf die Seite legen konnten, können Sie nun anfangen in Ihr Geschäft zu investieren. Bedenken Sie dabei folgende Dinge:

Investition in Personal

Welche Kompetenzen benötigen Sie und wann genau benötigen Sie diese? Wie viel sind Sie bereit dafür zu zahlen? Setzten Sie sich konkret mit dem Ausbau personeller Ressourcen auseinander und legen den Preis vorher fest.

Haben Sie Erfahrungen bei Personaleinstellung? Für die meisten es ein neues Kapitel. Verlassen Sie sich nicht auf das, was Bewerber Ihnen erzählen und vermeiden Sie es, den Bewerber vor dem Hintergrund dessen zu betrachten, was Sie gerne hätten. Ziehen Sie zum zweiten Gespräch eine neutrale Person hinzu. Sie werden ein konkretes Feedback erhalten, welches Sie oftmals vor den Folgen einer Fehlentscheidung schützt.

Investitionen in Inventar

Ein luxuriöses Ambiente ist zwar angenehm, die Frage ist jedoch, ob Sie damit Geld verdienen. Wenn dem so ist, dann ist es u.U. ein rentables Investment. Falls nicht warten Sie damit, bis Sie wirklich genug Geld auf der Seite haben und es keine Rolle mehr spielt.

Solange Geld aber eine tragende Rolle in Ihrem Unternehmen spielt, sollten Sie Ihr Investment ins Inventar entsprechend begrenzen. Schön und zweckmässig ist gut, alles andere ist wenig sinnvoll.

Investition in eine „gute“ Gelegenheit

Sobald Sie Geld haben, werden andere Menschen auf Sie aufmerksam und bieten Ihnen „gute“ Gelegenheiten an. Die Frage ist nur, für wen das zutrifft. Behalten Sie einen klaren Kopf, hören Sie sich nicht alles an, was auf Sie zukommt. Überlegen Sie selbst regelmässig, was für die Entwicklung Ihres Unternehmens Sinn macht, halten Sie die Entwicklungen in Ihrem Markt und der Mitbewerber im Auge. Halten Sie selber Ausschau nach Chancen, welche Ihren Wettbewerbsvorteil verbessern können.

Denken Sie daran: Eine Investition, die Ihnen keine Mehreinnahmen beschert, ist reine Verschwendung.

Investitionsbindung

Egal an welches Investment Sie denken, einen wichtigen Punkt sollten Sie diesbezüglich immer klären. Lässt sich Ihr Investment wieder „flüssig“ machen? Beim Personal funktioniert das natürlich nicht, anders aber bei anderen Dingen. Unter welchen Umständen und mit welchen Abschlägen lässt sich eine geplante Anschaffung wieder zu Geld machen? Aus der Antwort ergibt sich Ihre Flexibilität in Krisenzeiten und eines ist sicher, die wird es geben – irgendwann und meist dann, wenn Sie nicht damit rechnen.

Regelmässige Zukunftsplanung

Als Sie mit Ihrem Geschäft an den Start gegangen sind, haben Sie sich (hoffentlich) einen konkreten Plan gemacht und eine Entwicklungsstrategie festgelegt. Viele Selbständige vergessen allerdings, eine laufende Standortbestimmung vorzunehmen. Nehmen Sie sich zwingend Zeit und halten einen Moment inne. Sind Sie im Entwicklungsplan, besser, schlechter? Analysieren Sie die Gründe für Abweichungen. Wenn Sie rechtzeitig einen Abwärtstrend erkennen und besonnen an die Sache herangehen, können Sie eine Kehrtwende schaffen und durch die Entwicklung anpassen. Sollte sich Ihr Geschäft besser als erwartet entwickeln, dann sollten Sie auch dafür den Grund kennen. Dadurch können Sie Wettbewerbsvorteile noch besser nutzen.

Einmal im Jahr sollten Sie sich etwas mehr Zeit nehmen und Ihr Geschäft quasi neu erfinden. Studieren Sie den Markt, Analysieren Sie Ihre Kompetenzen, prüfen Sie die Erfolge vergangener Entscheidungen. Nehmen Sie den Kopf aus dem Tagesgeschäft und schaffen Klarheit.

Entwickeln Sie Ihr Wissen und Ihre Kompetenzen

Stillstand ist Rückschritt und damit ist in diesem Fall nicht Ihre geschäftliche Entwicklung gemeint, sondern Ihre persönliche. Sicher besitzen Sie ein gewisses Mass an Know-how und haben ein ausgeprägtes Kompetenzspektrum. Das alles unterliegt jedoch der „Vergänglichkeit“! Aktuell verdoppelt sich das Wissen rund alle fünf Jahre. Das bedeutet, dass Ihr aktuelles Wissen in fünf Jahren nur noch halb so viel Wert, wie heute. Ähnlich sieht es im Bereich Ihrer Kompetenzen aus. In einem sich ständig verändernden Umfeld ist es unerlässlich, dass Sie Ihre bestehenden Kompetenzen weiterentwickeln und ggf. neue Kompetenzen ausprägen.

Definieren Sie Ihr persönliches Weiterbildungsbudget und wählen geeignete Bildungsangebote aus.

Schützen Sie sich

Als Arbeitnehmer profitierten Sie von bestehenden Absicherungsstrukturen. Im Krankheitsfall erhielten Sie die vertraglich definierte Lohnfortzahlung sowie ein Kranken- oder Unfalltaggeld. Auch hinsichtlich Ihrer Altersvorsorge war alles geregelt, Sie hatten Leistungen gemäss BVG und ggf. Zusatzleistungen als Kadermitglied. Nun sind Sie selbständig und es gilt die Karten neu zu mischen.

Setzen Sie sich gleich zu Beginn Ihrer Selbständigkeit mit einem kompetenten und unabhängigen Versicherungsprofi an den Tisch und lassen sich beraten. Definieren Sie genau Ihren Finanzbedarf im Fall von Unfall und Krankheit und lassen sich verschiedene Offerten erstellen. Die Preisunterschiede variieren sehr stark zwischen den Anbietern, ebenso das Angebotsspektrum. Hier ist unabhängiger Rat von einem kompetenten Berater unerlässlich.

Wenn Sie die genannten Produkte beherzigen, verbessern sich Ihre Erfolgschancen erheblich. Das Leben wird immer mit Risiken verbunden sein aber mit einem konkreten Plan können Sie sich viele Unannehmlichkeiten vom Leib halten.


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